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International Law

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Die Aufsteigerrepublik

By Axel Schaper

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- Zuwanderung als Chance. Dies ist der Titel eines Buches des NRW Integrationsministers Laschet. Vielleicht formuliert er seine Thesen arg stark im Bertels-Sprech  – der Dienstweg von Gütersloh nach Düsseldorf ist kurz. Vielleicht gäbe es linke Alternativen, die absehbare sozialstrukturell bedingte Kosten zu vermeiden suchten – ist eine völkisch delirierende Linke dazu fähig? Vorstellbar wäre auch eine liberale Gegenposition, die Familienwerte und religiöse Ertüchtigung in die Schranken weist. Dennoch habe ich dieses Buch mit größter Zustimmung gelesen. Ohne gewisse Gestalten aus der Christdemokratie vergessen zu wollen – der kleine Koch ist hier sicher der Übelste – gehört Laschet doch in die Reihe von Christdemokraten, denen eine vernünftige Migrationspolitik viel verdankt: Altmaier als Staatssekretär der vergangenen Legislatur, die beeindruckende Süßmuth, der für mich geistig prägende Oberndörfer. Laschet stellt die richtige Frage: Mit welchen Begriffen und Bildern ist die Zugehörigkeit der Bevölkerung mit Migrationsgeschichte als Teil der aktuellen deutschen Bevölkerung zu thematisieren. Er will das mit einer dritten deutschen Einheit erreichen – nach der Integration der Flüchtlinge aus osteuropäischen Staaten und der der Staatsbürger der DDR. Ihm geht es um die Schaffung von Bedingungen (meist im Bildungsbereich) für einen sozialen Aufstieg der Einwanderungsbevölkerung und deren Mobilisierung über dieses Aufstiegsangebot. Die Heterogenität der Bevölkerung wird hier zum akzeptierten Ausgangspunkt, der gesellschaftliche Zusammenhalt entsteht aus den für alle gleichen Chancen des sozialen Aufstiegs. Dies ist bemerkenswert: eine deutsche Einheit wird eingefordert, die nicht an eine inhaltliche nationale Überhöhung anknüpft. In den USA war dies einfacher zu formulieren: vor Jahr und Tag forderte der verstorbene Sozialphilosoph Rorty in ‘Achieving our country‘, den diversity-Quatsch sein zu lassen und sich wieder den harten sozialen Fragen zuzuwenden. Unvergesslich Rorty’s Geste im Panofsky Hörsaal der Hamburger Universität mit der er darauf verwies, dass die deutschen Staatsbürger, die Namensgeber der umgebenden Hörsäle waren, ihr Leben in den USA oder in den Gaskammern beendeten. Hieraus entsteht die Schwierigkeit einer Zugehörigkeit zu einer Kategorie “deutsch”: das deutsche Volk hat sich als Mordkollektiv konstituiert, dem der Judenmord Spaß machte; auch die Beute war ansehnlich. Vor diesem Hintergrund erscheint Laschets Modell einer Aufsteigerrepublik alternativlos. Was sollte von links kommen? Verfassungspatriotismus? Nun ja. Einer der bewegendsten Sätze in Laschets Buch scheint mir die Frage: Wie lange muss eigentlich jemand dasein, um dazu zu gehören? Die politischen Antworten, die die Einwanderungsgesellschaft zu geben hat, kreisen bei dieser Frage um die Herstellung von Zugehörigkeit. Um festzustellen, ob diese Frage in den vorliegenden interkulturellen Bibliothekskonzepten verstanden wurde, gibt es den einfachen Lackmustest: Ist nach diesen Konzepten der 44. Präsident der USA Amerikaner oder Kenianer?
Kommen wir nach dieser kleinen Vorbemerkung nun noch zu einem Hinweis von bibliothekarischen Interesse. An prominenter einleitender Stelle betont er die Rolle von Bibliotheken. Er erwähnt die Autorin Akyün, der sich die Bildungswelt über die Bibliothek (in NRW offensichtlich unvermeidlich eine in kirchlicher Trägerschaft) erschloss. Die Stärke der Bibliothek liegt gerade darin, dass sie als offener Ort von – teils zugeschriebenen! – Eigenschaften der Person absieht. Die Einwanderungsgesellschaft benötigt solche Gelegenheitsstrukturen: Orte, die vielfältige Formen der Zusammenkunft ermöglichen. Verknüpfungen – aus diesem semantischen Feld sollten die Begriffe interkultureller Bibliotheksarbeit kommen. (Nachdem auch nach der Abwendung von dem Begriff multikultureller hin zu interkultureller Bibibliotheksarbeit derselbe Unsinn produziert wird, sollte wohl jeder Bezug auf Kultur fallengelassen und nur noch von Bibliothek in der Einwanderungsgesellschaft gesprochen werden.)
Wer sozialwissenschaftliche Begrifflichkeiten mag: Putnam, der in ‘E Pluribus Unum‘ die Frage nach der Zugehörigkeit gestellt hat, spricht von bridging capital: jene Ressourcen, die ein Mitglied einer Gruppe mobilisieren kann, um Kontakte zu anderen Gruppen herzustellen. In ‘Better together‘ hat er das bridging capital von Bibliotheken in einem Kapitel an Beispielen aus der Chicago Public Library gezeigt.

Full post as published by Netbib on January 17, 2010 (boomark / email).

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